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5 Jahre zeitschrift für e-learning
– Aktuelle Forschungsbeiträge

4/2011 - 6. Jahrgang

Peter Baumgartner

Editorial


Peter Baumgartner

Peter Baumgartner,
Professor für Technologieunterstütztes Lernen und Multimedia an der Donau-Universität Krems und Leiter des Departments für Interaktive Medien und Bildungstechnologien.

Mit diesem Heft sind es nun fünf Jahre, dass wir (Andrea Back, Gabi Reinmann, Rolf Schulmeister und ich) gemeinsam mit dem Studienverlag die Zeitschrift für E-Learning gründeten. Aus diesem Anlass sind wir mit dieser Nummer vom bisherigen Konzept der Zeitung abgewichen und haben thematisch ein „offenes Heft“ ausgeschrieben. Auch wenn diesmal kein Themenbezug besteht, so war mit der Konzentration auf empirisch-methodologische Arbeiten trotzdem ein Fokus gegeben. Die vier Beiträge stellen aktuelle empirische Forschungssätze vor. Zwei Artikel konzentrieren sich dabei auf methodische Zugänge und diskutieren den adäquaten Zusammenhang zwischen Forschungsfrage und Forschungsmethode. Exemplarisch werden einige Ergebnisse der jeweiligen Untersuchung dargestellt. Die andere Hälfte des Heftes beschäftigt sich nach der Diskussion des theoretischen Ausgangspunktes vor allem mit der Präsentation und Reflexion von Ergebnissen einer empirischen Untersuchung.

Im ersten Beitrag dieses Heftes präsentieren Helge Fischer und Thomas Köhler (TU-Dresden) einige Befunde aus ihrem Forschungsprojekt „Adaption von E-Learning-Innovationen in der Hochschullehre“. Sie gehen dabei davon aus, dass es für die Förder-, Verbreitungs- und Einführungsstrategien von E-Learning-Innovationen notwendig ist, die individuellen Anforderungen und Bedarfe des akademischen Personals nicht nur besser zu kennen, sondern vor allem auch differenzierter zu berücksichtigen. Die Akzeptanz und damit die Effizienz von Unterstützungsmaßnahmen ist nicht nur im Zusammenhang zur objektiv vorhandenen Situation mit ihren organisationalen Rahmenbedingungen zu sehen, sondern wird auch durch die Ansprüche und Bedürfnisse der E-Learning-PromotorInnen wesentlich geprägt. Aus diesem Grunde konzentrieren sie sich bei ihrer Online-Befragung an den Hochschulen des Freistaates Sachsen auf Motivstruktur, Nutzungspräferenzen und Interventionsbedarfe von Personen, die von E-Learning-Diffussionsprozessen berührt sind (sogenannte „E-Learning-Übernehmende“). Ihre Untersuchung, die unter dem Motto „Know Your Types“ stand, identifiziert unter Nutzung multivariater Analysemethoden vier Typen von E-Learning-Übernehmenden, die es für die Gestaltung von E-Learning-Prozessen in ihren jeweiligen Eigenheiten zu kennen und zu berücksichtigen gilt.

Die nächsten beiden Beiträge beschäftigen sich mit der Implementierung von Netbooks in den Schulbetrieb. Beide Artikel haben nicht direkt E-Learning im Fokus, sondern fragen sich, welche Veränderungen von Lernkulturen durch Bildungstechnologien stattfinden und wie sie zu erfassen sind. Fragestellungen, die bisher in unserer Zeitschrift relativ wenig Platz gefunden haben, obwohl sie einen zentralen Aspekt unserer Konzeption und Ausrichtung darstellen (vgl. den Untertitel der Zeitschrift für E-Learning: Lernkultur und Bildungstechnologie).

Lucia Müller und Rudolf Kammerl widmen sich im Sinne forschenden Lernens der Verknüpfung von Forschung und Lehre, indem sie Lehramtsstudierende des Schulmodellversuchs „Hamburger Netbook-Projekt“ in ihren Evaluierungsansatz einbeziehen. Der Ansatz des forschenden Lernens wurde aber nicht nur aus grundsätzlichen (hoch-)schuldidaktischen Erwägungen gewählt (Förderung der Eigenaktivität, Studierendenzentrierung, Wissenschaftsorientierung und Professionalisierung der Ausbildung), sondern erschien neben forschungspraktischer Überlegungen vor allem auch thematisch angebracht: Die Einführung von 630 Netbooks an 19 beteiligten Schulen wurde vor allem durch die Idee der stärkeren Individualisierung von Lernprozessen motiviert. Was lag also näher, als bei der Ermittlung von Möglichkeiten und Erfolgskriterien individualisierten Unterrichts die Zielgruppe selbst als Forschungshandelnde aktiv einzubeziehen? Der Aufsatz diskutiert die Rahmenbedingungen und wie das darauf basierende Evaluationsdesign in das Studium integriert wurde.

Mit einer ähnlichen Fragestellung haben sich auch Erich Herber und Stephan Waba auseinander gesetzt. Im Rahmen der Begleitung eines Netbook-Projekts des österreichischen Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur (bm:ukk) haben sie sich dafür interessiert, wie sie einen Zugang zur persönlichen Umgebung der SchülerInnen finden können. Weil die Netbooks von den Eltern gekauft wurden und daher im Eigentum der SchülerInnen sind, stellte sich die Frage, wie die mobilen Endgeräte die persönlichen Lerngewohnheiten nicht nur in der Schule, sondern auch in der Freizeit verändern. Neben traditionellen Methoden wie Interviews und teilnehmende Beobachtung haben sie daher die SchülerInnen motiviert, zeitnahe Kurzmeldungen über ihre Aktivitäten mit dem Netbook zu berichten. Dieser Eintritt in die Privatsphäre und die damit sensiblen Datenschutzfragen wurden mit einem eigens installierten und nur für die teilnehmenden SchülerInnen zugänglichem Microblogging-System gelöst. Auch in diesem Projekt wurde forschendes Lernen nicht bloß aus didaktischen, sondern vor allem aus forschungspraktischen Überlegungen eingesetzt.

Der vierte Beitrag des Heftes von Daniela Schlemmer beschäftigt sich mit der Erfassung emotionaler Aspekte, die mit der Nutzung von Lernumgebungen verbunden sind. Meistens wird bei der didaktischen Gestaltung auf inhaltliche Lernziele fokussiert und dabei die lernförderlichen emotionalen Komponenten vernachlässigt. Am Beispiel eines Blended Learning-Arrangements mit „WebQuest“ wird ein komplexes Variablenmodell diskutiert und als Ausgangspunkt im Rahmen einer Studie an der Universität Koblenz-Landau im Rahmen eines Pflichtseminars zum Thema „Neue Medien“ genutzt. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass es mit der didaktischen Gestaltung alleine nicht getan ist, sondern dass die mediale Aufbereitung eine extrem wichtige Komponente für lernförderliche Emotionen darstellt, die nicht vernachlässigt werden darf. Damit das didaktische Potenzial bei der Gestaltung von Lernarrangements (=der sogenannte „didaktische Mehrwert“) zur Wirkung kommt, braucht es nicht nur adäquate Benutzeroberflächen („Usability“), sondern auch die Berücksichtigung emotionaler Gesichtspunkte bei der medialen Gestaltung.

Ich glaube, dass alle vier Beiträge – trotz ihrer unterschiedlichen Fragestellungen und Rahmenbedingungen – eine gemeinsame Botschaft illustrieren: Die Erforschung innovativer Lernarrangements erfordert auch kreative Forschungszugänge und Forschungsmethoden.

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Stand: 19.01.2012  |  RSS-Icon RSS  |  News  |  Intern  |  Impressum  |  Sitemap  |  © 2006 – 2012 StudienVerlag

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