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E-Learning Geschäftsmodelle

3/2007 - 2. Jahrgang

Michael H. Breitner

Editorial


Michael H. Breitner

Michael H. Breitner, Prof. Dr.,
Direktor des Instituts für Wirtschaftsinformatik der Leibniz Universität Hannover.
Arbeitsschwerpunkte: E-Learning, insbes. Geschäftsmodelle und M(obile)-Learning, Betriebliche Standardsoftware, Künstliche Intelligenz und Neurosimulation, Finanzmathematik, Operations Research sowie Wissenschafts- theorie und Futurologie.

„Cui bono [et quis solvit]?” (erster Teil nach Lucius Cassius, ca. 125 v.u.Z.) sind die beiden zentralen Fragen, seit dem sich E(lectronic)-Learning durch die Einführung des PCs Anfang der 1980er Jahre von teurer Spezial- zu bezahlbarer Massenanwendung entwickelt.

„Cui bono?” Nutzenaspekte werden bis Mitte oder sogar Ende der 1990er Jahre primär in Kosteneinsparungen gesehen: Unternehmen sparen Reise- und Arbeitsausfallkosten in der Fort- und Weiterbildung, Hochschulen sparen Personal in Übungen und Tutorien usw. Erst Ende der 1990er Jahre setzt sich eine neue Sichtweise durch: E-Learning ist nicht billig, jedoch vielfach preiswert, ermöglicht aber vor allem Flexibilität für Lerner und Lehrer. Lerner lernen wann oder/und wo sie wollen. Lehrer lehren wann oder/und wo sie wollen. Mächtige E-Learning-Anwendungen mit Internetzugang werden möglich, aber auch ohne Internetzugang kann eine oft sehr gute Funktionalität erreicht werden. Verschiedenste Lerntypen und Zielgruppen, vom Kindergartenkind bis zum Senior, werden angesprochen. Und verschiedene Medien, vom klassischen PC und Laptop bis hin zum PDA und Smartphone, werden eingesetzt. Neuartige Anwendungen entstehen, z.B. kleine multimediale 10-Minuten-Lernmodule für Smartphones, mit denen (Top-)Manager mit Spaß Softskills-Themen bearbeiten.

„Quis solvit?” In den 1980er und 1990er Jahren wird die Entwicklung von E-Learning-Technologien, -Didaktik und auch -Inhalten fast ausschließlich staatlich finanziert. Sehr großzügige Programme ermöglichen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und teils auch Unternehmen vielfältige, teils schillernde Anwendungen zu entwickeln, die auch mehr und mehr Lerner nutzen. Oft sind diese Anwendungen aber leider nicht marktfähig, d.h. nach Kürzung oder Wegfall einer staatlichen Förderung wollen weder Lerner noch Anbieter, z.B. Unternehmen oder Hochschulen, wenigstens die laufenden Kosten übernehmen. Noch schwieriger ist es, wenn Erlöse die Gesamtkosten inkl. Entwicklung, Einführung, Marketing, Betrieb usw. amortisieren müssen.

E-Learning Geschäftsmodelle, seit Ende der 1990er Jahre systematisch untersucht, ermöglichen eine integrierte Analyse einer „Geschäftstätigkeit” ggf. auch im weiteren Sinne, vgl. wichtige Arbeiten z.B. von A. Back, P. Baumgartner, U. Bentlage, D. Euler, U. Gröhbiel, S. Hagenhoff, P. Harris, J. Hasebrook, A. Hohenstein, G. Hoppe, W. Jansen, M. Keating, M. Kerres, P. Köllinger, W. Kraemer, P. Kröpelin, H.M. Niegemann, J. Pawlowski, T. Payome, M.J. Rosenberg, R. Schulmeister, D. Seibt, S. Seufert, P. Sprenger, K. Wilbers und des Gastherausgebers. In einem E-Learning Geschäftsmodell werden mindestens drei Partialmodelle benötigt, jedoch verwenden manche Geschäftsmodelle auch sechs oder noch mehr Partialmodelle. Im vom Gastherausgeber entwickelten Geschäftsmodell werden die integrierten, interdependenten Partialmodelle Marktmodell, Aktivitätenmodell und Finanzierungsmodell verwendet. Das Marktmodell beschreibt die Strukturen des E-Learning-Marktes mit Anbietern und Nachfragern sowie deren Kompetenzen und Bedürfnisse. Das Aktivitätenmodell erklärt wie E-Learning Anwendungen, Lösungen und Services erstellt, vermarktet und bereitgestellt werden. Das Finanzierungsmodell erläutert Kapital- und Erlösquellen, die eine nachhaltige Nutzung ermöglichen, sowie Kosten.

Dieses Themenheft verzichtet bewusst auf eine breite Darstellung von E-Learning Geschäftsmodellen. Eine umfassende, oft auch didaktisch gute Darstellung von E-Learning Geschäftsmodellen findet sich in den Lehrbüchern, Anthologien und Übersichtsartikeln der o.g. Autoren. Für dieses Themenheft werden aus 19 eingereichten Kurzfassungen (1. Runde) und anschließend 10 eingereichten Beiträgen (2. Runde) in doppelt-blinder Begutachtung die besten fünf Beiträge ausgewählt, die alle über neue, spannende und auch praxisrelevante Fragestellungen diskutieren und konkrete Lösungsansätze bieten:
- J. v. Brocke, C. Buddendick, B. Gaiser und S. Haug stellen ein mächtiges Vorgehensmodell vor, mit dem a priori computergestützt die ökonomischen Konsequenzen verschiedener Gestaltungsszenarien für E-Learning-Angebote genau analysiert und bewertet werden können.
- M. Gersch und P. Weber beschäftigen sich mit vielversprechenden Serviceplattformstrategien, die durch die geeignete Kombination von Standardisierung und Individualisierung wichtige „Mass Customization”-Strategien ermöglichen.
- U. Hoppe, F. Klostermeier, S. Boll, N. Kleinefeld und R. Mertens entwickeln neuartige Bartermodelle, die die gravierenden Hindernisse monetärer Zahlungen überwinden und so den immer wichtiger werdenden Austausch hochschulischer Lehrangebote ermöglichen.
- F. Bodendorf, K.-U. Götzelt und S. Robra-Bissantz zeigen systematisch und gut nachvollziehbar auf, welche Rahmenbedingungen für den erfolgreichen Einsatz von „Customer Focused”-E-Learning geschaffen werden müssen.
- M. Steinbring und T. Hampel diskutieren unterschiedliche, teils neue Lizenzierungsmodelle, die eine individualisierbare Preispolitik und damit die wichtige nutzerorientierte Abrechnung von E-Learning-Angeboten erst ermöglichen.

Dieses Themenheft bietet also sowohl Praktikern, als auch akademischen Forschern neue Denkanstösse, neue Erkenntnisse und konkrete Handlungsempfehlungen.
Als Schlusswort sei mit der schon alten Klage „Non vitae, sed scholae discimus!” (Lucius Annaeus Seneca d.J., ca. 64 n.u.Z.) die Hoffnung ausgedrückt, dass E-Learning zukünftig noch stärker in der Breite und noch nachhaltiger eingesetzt wird. Gerade die Flexibilität des E-Learning bietet ideale Chancen in der lebenslangen, vor allem auch berufsbegleitenden Aus-, Fort- und Weiterbildung vom Kindergarten- bis ins Seniorenalter. Marktfähige Angebote sind in vielen Bereichen möglich, die heute noch wenig beachtet werden. Und großer Nutzen für Lerner und Lehrer ist für viele Alters- und Zielgruppen einfacher möglich als heute üblicherweise erkannt wird.

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Stand: 06.09.2010  |  RSS-Icon RSS  |  News  |  Intern  |  Impressum  |  Sitemap  |  © 2006 – 2010 StudienVerlag

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