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Kann E-Learning Bologna retten?

2/2010 - 5. Jahrgang

Andrea Back, Peter Baumgartner, Gabi Reinmann, Rolf Schulmeister

Editorial


Andrea Back

Andrea Back, Prof. Dr.,
Universität St. Gallen, Professorin für Betriebswirtschaftslehre, insb. Wirtschaftsinformatik.
Arbeitsschwerpunkte Enterprise 2.0 & Business 2.0; E-Learning & Wissensmanagement.

Peter Baumgartner

Peter Baumgartner,
Professor für Technologieunterstütztes Lernen und Multimedia an der Donau-Universität Krems und Leiter des Departments für Interaktive Medien und Bildungstechnologien.

Gabi Reinmann

Gabi Reinmann, Dr., Univ.-Prof., Dipl.-Psych.,
Professorin für Lehren und Lernen an der Universität der Bundeswehr München inne.
Arbeitsschwerpunkte: E-Learning/Blended Learning und Wissensmanagement in Schule, Hochschule, Non Profit-Organisationen und Industrie.

Rolf Schulmeister

Rolf Schulmeister, Dr.,
Professor für Hochschuldidaktik am Zentrum für Hochschul- und Weiterbildung (ZHW) der Universität Hamburg.
Forschungsschwerpunkte: Multimedia und E-Learning.

Mit dem beiliegenden Heft wollen wir von der üblichen Form (4-5 größere begutachtete Beiträge pro Heft) abgehen und ein Experiment wagen: Zwölf renommierte BildungsexpertInnen wurden eingeladen, zum aktuellen Thema „Kann E-Learning Bologna retten?“ Stellung zu beziehen. Wir wollen so versuchen, einen Zusammenhang zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu E-Learning und Bildungspolitik herzustellen.

Am 19. Juni 1999 hatten 29 europäische Länder in Bologna die „Gemeinsame Erklärung der Europäischen Bildungsminister“ zum Europäischen Hochschulraum (EHEA – European Higher Education Area) unterzeichnet. Seither haben sich 47 Länder der European Cultural Convention der Bologna-Erklärung angeschlossen, die eine einheitliche Struktur der Hochschulausbildung durch wechselseitige Anerkennung von Studienleistungen anstrebt. Das Modell des Europäischen Bildungsraumes ist eine konsekutive Struktur von der Primarschule bis zur Weiterbildung. Das Hochschulstudium ist gegliedert in Bachelor, Master und Promotionsstudium. Die gegenseitige Anerkennung sollte durch ein einheitliches System mit Leistungspunkten, dem European Credit Transfer System, gewährleistet werden.

Was waren die Ziele – und entsprechend was die Fehlschläge? Julian Nida-Rümelin, Philosoph und 2001/02 als Kulturstaatsminister unter Bundeskanzler Schröder tätig, zieht in seiner Stellungnahme „Das offenkundige Scheitern des Bologna-Prozesses“ (http://www.nida-ruemelin.de/docs/bologna.pdf) das Fazit aus der bisherigen Entwicklung: „Gemessen an seinen eigenen Zielen ist der Bologna-Prozess in Deutschland, die Umstellung auf gestufte, modularisierte Studiengänge, ein Fehlschlag.“ Nida-Rümelin nennt in seiner Stellungnahme vier Bologna-Ziele, die bisher nicht eingetroffen sind:

Auch das dem Bologna-Prozess inhärente Ziel der „employability“ wurde verfehlt. Zwar scheint in der Wirtschaft die Bereitschaft zu wachsen, Bachelor-AbsolventInnen aufzunehmen, aber der Staat selbst, der die konsekutive Studienarchitektur eingeführt hat, will keine Bachelor-AbsolventInnen als LehrerInnen, RichterInnen oder Ärzte/Ärztinnen akzeptieren.

Sind diese Fehlschläge nur Startprobleme, die leicht korrigierbar sind? Oder handelt es sich um strukturelle Schwachstellen, die nur mit größeren organisationalen Maßnahmen gelöst werden können?

Auf viele dieser Probleme jedenfalls scheinen E-Learning-Projekte eine Antwort zu suchen und zu geben (z.B. Euler & Wilbers, 2005 mit dem E-Learning unterstützten Selbststudium; Schulmeister, 2006 mit dem Konzept des student lifecycle). Aber weder in der Sorbonne-Erklärung und der Lissabon-Konvention noch in den Communiqueés der Bildungsministertreffen in Prag, Berlin, Bergen, London oder Leuven und Louvain-la-Neuve war von den Potenzialen der digitalen Medien für mehr Effizienz, Effektivität und Qualität in Lehre und Studium die Rede, selbst nicht nach den bundesweiten Protesten der Studierenden im Herbst 2009 und Wien 2010 in der aktuellen „Budapest-Vienna Declaration March 12, 2010 on the European Higher Education Area“.

Die Kultusminister Deutschlands sahen sich veranlasst, ihren bisherigen Kurs teilweise zu revidieren (KMK, 2009). Ihre Stellungnahme zeigte Verständnis für die studentische Kritik und adressierte einige der gravierenden Probleme der konsekutiven Studiengangsarchitektur, die Modulgröße, die Zahl der Prüfungen, die Workload etc., und sie nannte eine Reihe von Verbesserungsmöglichkeiten. Von E-Learning, das für viele dieser Probleme eine große Hilfe sein könnte, war jedoch keine Rede. Daher das Thema dieses Heftes mit den begleitenden Fragen:

Kann E-Learning etwas in der Bologna-Bildungslandschaft bewirken? Gibt es strategische Einsatzfelder mit Erfolgsaussicht für E-Learning? Kann man bedeutungsvolles Lernen durch E-Learning ermöglichen? Kann man Studierende aus sozial niedrigen Schichten durch E-Learning unterstützen? Kann E-Learning die Diversität der Lernenden berücksichtigen? Lassen sich AbbrecherInnenquoten durch E-Learning senken?

Von den ExpertInnen, von denen wir Erfahrungen und Visionen erhofften, hatten einige abgewinkt, die meisten spontan zugesagt. Wir freuen uns, eine Reihe interessanter Gedanken auf kleinem Raum versammeln zu können. Deren Stimmen sind durchaus unterschiedlich, wozu der im Call vorgegebene Reiztitel „Kann E-Learning Bologna retten?“ unnötigerweise beigetragen haben mag.

Literatur

DAAD|BMBF (2009). 3. Fachkonferenz zur Auslandsmobilität, Internationale Mobilität im Studium 2009. Wiederholungsuntersuchung zu studienbezogenen Aufenthalten deutscher Studierender in anderen Ländern. Berlin, 14. Mai 2009. DAAD/HIS.

Euler, Dieter & Wilbers, Karl (2005). Radikaler, bologna-konformer Change an einer Hochschule am Beispiel des Selbststudiums der Universität St. Gallen. ZFHD 05 (Sept. 2005) S. 3-17.

Heublein, Ulrich; Schmelzer, Robert & Sommer, Dieter (2008). Die Entwicklung der Studienabbruchquote an den deutschen Hochschulen. Ergebnisse einer Berechnung des Studienabbruchs auf der Basis des Absolventenjahrgangs 2006. HIS: Hannover, HIS: Projektbericht Februar 2008.

Heublein, Ulrich; Hutzsch, Christopher; Schreiber, Jochen & Sommer, Dieter (2007). Internationale Mobilität im Studium. Studienbezogene Aufenthalte deutscher Studierender in anderen Ländern. HIS: Hannover, HIS-Projektbericht April 2007.

KMK (2009). Weiterentwicklung des Bologna-Prozesses 16.10.2009. Beschluss der 327. Kultusministerkonferenz am 15.10.2009.

Schulmeister, Rolf (2007). Der „Student Lifecycle“ als Organisationsprinzip für E-Learning. In R. Keil, M. Kerres & R. Schulmeister, eUniversity – Update Bologna. Waxmann: Münster, S. 45-77.

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Stand: 19.01.2012  |  RSS-Icon RSS  |  News  |  Intern  |  Impressum  |  Sitemap  |  © 2006 – 2012 StudienVerlag

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