Aktuelles Heft  |  Frühere Hefte  |  Call for Papers  |  Hinweise  |  HerausgeberInnen  |  GutachterInnen  |  AutorInnen

E-Learning und
Fernstudium an
Hochschulen

1/2011 - 6. Jahrgang

Olaf Zawacki-Richter

Editorial


Olaf Zawacki-Richter

Olaf Zawacki-Richter, Prof. Dr.
Professor an der Fakultät für Bildungs- und Sozialwissenschaften, Center für lebenslanges Lernen (C3L), Universität Oldenburg.
Arbeitsschwerpunkte: Wissenstransfer und Lernen mit neuen Technologien

Zukunft braucht Herkunft. Eine wichtige Wurzel in der Entwicklung des E-Learning an Hochschulen ist das Fernstudium und der Fernunterricht. Auch wenn das traditionelle Fernstudium im deutschsprachigen Raum mit der hohen Dichte an Präsenzuniversitäten im Vergleich zu Flächenstaaten wie Australien, Kanada, Indien, Russland, Südafrika oder USA eine untergeordnete Rolle spielte, so können wir auch hier auf eine lange Tradition des Fernunterrichts zurückblicken (vgl. Zawacki-Richter, 2011). Zum Beispiel bot Gustav Langenscheidt zusammen mit Charles Toussaint Französischkurse in einer Schule für „brieflichen Unterricht“ an. Die beiden entwickelten die „Methode Toussaint-Langenscheidt“, mit der die Aussprache in Studienbriefen vermittelt werden konnte. Die Lautschrift ist also eine Entwicklung des Fernunterrichts und war auch gleichzeitig Grundlage für die erfolgreiche Gründung des Verlages von Gustav Langenscheidt im Jahr 1856 (Delling, 1999).

Im Hochschulsektor haben E-Learning und Fernstudium in den letzten zehn Jahren eine enorme Entwicklung erfahren. E-Learning ist im Mainstream angekommen. In den USA wurden 2008 über 4,6 Mio. Online-Kurse belegt (Allen & Seaman, 2009). In der Russischen Föderation sind sogar mehr als die Hälfte aller Studierenden (über 3,8 Mio.) in Studiengängen mit Fern- und Abendstudium bzw. im sogenannten „Externat“ eingeschrieben (RF, 2008). In Deutschland ist die FernUniversität Hagen nach Studierendenzahlen die größte Universität (74.223 im WS 2010/11). Zwar sind im deutschsprachigen Raum reine Online-Studiengänge selten, doch gibt es auch hier kaum eine Hochschule, in der E-Learning nicht additiv in Präsenzveranstaltungen eingesetzt oder in einem Blended Learning-Format etwa in weiterbildenden Studiengängen für Berufstätige integriert wird (vgl. Hanft & Döring, 2008).

Es ist zu beobachten, dass mit der Entwicklung des internetbasierten Lernens und Lehrens die ursprünglichen Grenzen zwischen Fernuniversitäten und Präsenzuniversitäten verschwimmen. Die Nutzung der neuen Medien führt zu einer Konvergenz: „Single-mode“-Universitäten entwickeln sich zu „Dual-mode“-Universitäten (Mills & Tait, 1999). Die Begriffe E-Learning und Fernstudium werden dabei oft synonym verwendet: „Die Abgrenzung des eLearning vom Fernstudium ist schwierig: In den USA werden beide Formen [...] unter dem Begriff Distance Education zusammengefasst“ (Schulmeister, 2006, S. 5). In Kanada oder Australien sind fast alle Universitäten „Dual-mode“-Institutionen. Selbstverständlich wurden hier neue Medien in das Präsenz- und Fernstudium integriert.

E-Learning hat sich also sowohl aus dem Fern- als auch dem Präsenzstudium heraus etabliert. Vor diesem Hintergrund möchte das Themenheft die Entwicklung, Gestaltung und nachhaltige Sicherung von internetgestützten Studienprogrammen aus beiden Perspektiven beleuchten.

Diese Ausgabe wird eröffnet mit einer empirischen Studie von Thorsten Junge, Michael Klebl und Sandro Mengel zum Einsatz synchroner Kommunikationstools an der FernUniversität Hagen. Dabei wird deutlich, dass das Mehr an „sozialer Präsenz“ im Vergleich zur raum-zeitlich flexiblen asynchronen Betreuung der Studierenden durch eingeschränkte Skalierbarkeit erkauft wird. Sicherlich stehen nicht die Ressourcen zur Verfügung, um die über 70.000 Studierenden der FernUniversität Hagen so zu erreichen. Dennoch kommen die Autoren zu dem Schluss, dass synchrone Elemente ein wichtiger Baustein im Ensemble der Betreuungsangebote im Fernstudium sind.

Der Aufsatz von Felix Kapp, Susanne Narciss, Hermann Körndle und Antje Proske von der TU Dresden konzentriert sich auf die Ebene des individuellen Lernens in computergestützten Lernumgebungen. Sie untersuchen im Bereich des universitären E-Learning, wie selbstregulierte Lernprozesse durch interaktive Lernaufgaben unterstützt werden können.

E-Learning und Fernstudium: Lehren und Lernen in parallelen Universen? Dieser durchaus provokant gestellten Frage gehen Burkhard Lehmann und Heinrich Dieckmann nach. Es entsteht zuweilen der Eindruck, dass sich zwei Communities gebildet haben, die sich mehr oder weniger von einander abgrenzen: die Vertreter des traditionellen, „alten“ Fernstudiums und eine Gruppe des „neuen“, innovativen E-Learning. „Wie viel E-Learning braucht das Fernstudium?“ war das Motto der Tagung der AG-Fernstudium 2009 in der Deutschen Gesellschaft für wissenschaftliche Weiterbildung und Fernstudium (DGWF). Die Autoren diskutieren, ob das traditionelle Fernstudium durch E-Learning ersetzt wird bzw. weiteren Aufschwung erfährt.

Hans Schmitz, Günter Siegel und Henning Baudach zeigen im Rahmen einer Chancen- und Risikenanalyse, dass bei der Entwicklung und nachhaltigen Verankerung von E-Learning an Hochschulen Hemmnisse bestehen, sich jedoch auch große Möglichkeiten eröffnen. Am Beispiel der Beuth Hochschule für Technik in Berlin, Mitglied der Hochschulverbunds „Virtuelle Fachhochschule“, identifizieren die Autoren Erfolgsfaktoren zum Angebot von Online-Studiengängen und der Begrenzung der damit verbundenen Risiken. Hierzu zählen insbesondere positive Effekte durch die Kooperation im Hochschulverbund und Investitionen in die institutionelle Supportinfrastruktur. An der Beuth Hochschule ist für die Konzeption und Durchführung von Online-Studiengängen eine zentrale Einrichtung verantwortlich – das Fernstudieninstitut.

Als Gastherausgeber dieses Themenheftes wünsche ich Ihnen auch im Namen aller beteiligten AutorInnen, dass die hier veröffentlichten Arbeiten Anknüpfungspunkte für Ihre Forschung und Praxis bieten und dass sie einen Beitrag zu einer verbindenden Sichtweise von E-Learning und Fernstudium an Hochschulen leisten. Eine künstliche Trennung von E-Learning und Fernstudium scheint nicht zielführend zu sein.


Literatur

Delling, R. M. (1992). Zur Geschichte des Fernstudiums – Eine Ausstellung des Deutschen Instituts für Fernstudien an der Universität Tübingen vom 15. Juni bis 11. Juli 1992. Tübingen: DIFF.

Hanft, A. & Döring, S. (2008). Studium für beruflich Qualifizierte. In R. Buhr, W. Freitag, E. Hartmann, C. Loroff, K. Minks, K. Mucke & I. Stamm-Riemer (Hrsg.), Durchlässigkeit gestalten! Wege zwischen beruflicher und hochschulischer Bildung (S. 176–186). Münster: Waxmann.

Mills, R. & Tait, A. (1999). The convergence of distance and conventional education: Patterns of flexibility for the individual learner. London: Routledge.

RF. (2008). Bildung in Russland – 2007. Moskau. http://www.ed.gov.ru/edu-stat/sprav/ (20.1.2011).

Schulmeister, R. (2006). eLearning: Einsichten und Aussichten. München: Oldenbourg.

Zawacki-Richter, O. (2011). Geschichte des Fernunterrichts – Vom brieflichen Unterricht zum gemeinsamen Lernen im Web 2.0. In S. Schön & Ebner (Hrsg.), L3T – Lernen und Lehren mit Technologien. Abgerufen von http://l3t.tugraz.at/ (20.1.2011).

weiter


Stand: 19.03.2012  |  RSS-Icon RSS  |  News  |  Intern  |  Impressum  |  Sitemap  |  © 2006 – 2012 StudienVerlag

Partner:

Banner: Fernstudium | Studium | Abendstudium | Bachelor | Master

Anzeige:

Partner:

Banner: Fortbildung bundesweite Fortbildungen per Fernstudium

Anzeige:

An dieser Stelle werben?

Logo: StudienVerlag

Interessiert?
Dann schreiben Sie uns!